Die Tauchergruppe

Paul Wagner

Obwohl die Stadt Kaiserslautern nicht gerade von großen Gewässern umgeben ist, wird die Feuerwehr Kaiserslautern seit ihrem Bestehen immer wieder mit Wasserrettungseinsätzen konfrontiert.

In Ermangelung anderer Möglichkeiten sah in der Vergangenheit ein solcher Einsatz meistens so aus: Zunächst bildete man aus lediglich mit einer Badehose bekleideten Feuerwehrmännern eine Suchkette. Um die Suchkette noch effektiver zu gestalten, wurde oftmals auf die freiwillige Hilfe anwesender Bürger (z.B. Badegäste) zurückgegriffen. In kurzem Abstand zwischen den Feuerwehrmännern (und Helfern) wurde das Gewässer, in dem man eine verunfallte Person vermutete, bis Brusttiefe systematisch durchschritten. Befand sich die vermisste Person in diesem Bereich, konnte sie mit dieser Methode relativ schnell gefunden werden. Mit einer Suchkette wurden am 18.04.1966 zwei Kinder aus dem Weiher an der Eselsfürth geborgen. Nach der gleichen Methode konnte am 09.07.1972 ein Kind nach einem Badeunfall aus dem Vogelwoog geborgen werden.

Hatte die Methode "Suchkette" keinen Erfolg, wurde in tieferem Gewässer mit beherzten Tauchversuchen (ohne Tauchgerät) die Suche fortgeführt. Dieses Verfahren hatte jedoch bei den ortsüblichen Gewässern (schlechte Sicht) wenig Aussicht auf Erfolg. Man erkannte, dass mit dieser Einsatztaktik, ganz abgesehen von der Gefährdung des eigenen Personals, in tieferem Gewässer nichts auszurichten war.

1969

Deshalb beschaffte man um 1969 ein Tauchgerät und begann damit, erste Tauchversuche im Freibad Waschmühle zu unternehmen. Da diese Tauchversuche mit einem nicht genormten Tauchgerät wegen fehlender Richtlinien und nicht zuletzt wegen fehlender Grundkenntnisse über das Tauchen eine große Gefahr für die Feuerwehrmänner darstellte, wurde das "Tauchen auf diese Art und Weise" durch den damaligen Amtsleiter Herr Gehm in Einvernehmen mit dem Oberbürgermeister untersagt.

1971

Im Jahre 1971 erhielt der damalige BOI Klaus Westrich, der bei einem Ausbildungsabschnitt in Berlin einen Taucherlehrgang absolviert hatte, den Auftrag, eine Taucherstaffel bei der Berufsfeuerwehr Kaiserslautern aufzustellen. Das bis dahin geltende Tauchverbot war damit aufgehoben. Im gleichen Jahr wurden drei weitere Feuerwehrmänner aus Kaiserslautern bei der Berufsfeuerwehr Offenbach zu Tauchern ausgebildet. Ein weiterer Taucher, der bei seiner Einstellung zur Berufsfeuerwehr bereits den Tauchschein der Marine besaß, kam hinzu.

1972

Damit verfügte man 1972 über fünf ausgebildete Feuerwehrtaucher und somit über eine intakte, einsatzfähige Tauchgruppe.

1974

wurde die bestehende Gruppe durch drei weitere Kollegen, die ihre Ausbildung zwischenzeitlich bei der Berufsfeuerwehr in Ludwigshafen absolviert hatten, erweitert.

1982

Ab 1982 bildete die Berufsfeuerwehr ihre Taucher bis zum Ausscheiden Ihres Kollegen und Lehrtauchers HBM Rainer Hollmann selbst aus. Weitere Lehrgänge wurden seither bei der Bereitschaftspolizei in Mainz belegt.

2001

Seit dem Jahr 2001 verfügt die Feuerwehr Kaiserslautern wieder über einen ausgebildeten Lehrtaucher und kann somit in Kooperation mit der LFKS Koblenz Taucher selbst Ausbilden. Nun hatte die Feuerwehr Kaiserslautern eine gut ausgebildete und jederzeit einsatzfähige Tauchergruppe. Die weitere Problematik bestand nun darin, Ausrüstung und Gerät für die Taucher schnellstmöglich zum Einsatzort zu bringen. Mit viel "Pioniergeist" wurde aus dem Fahrgestell eines verunfallten Tanklöschfahrzeuges und einem LKW-Kastenaufbau, den die Post dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hatte, in Eigenleistung das erste Wasserrettungsfahrzeug der Feuerwehr Kaiserslautern gebaut und voller Stolz 1974 in Dienst gestellt. Es bot die Möglichkeit, die komplette benötigte Ausrüstung aufzunehmen, sowie den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass die Taucher sich bereits während der Anfahrt umziehen und ausrüsten konnten.

1987 wurde dieses Fahrzeug durch einen "Abrollcontainer Wasserrettung" ersetzt. Dieser, mit modernster Tauchtechnik ausgestattete Container, befindet sich bis zum heutigen Tag im Dienst. Er bietet Platz für neun Taucher, deren Ausrüstung sowie einem Mehrzweckboot mit Außenbordmotor. Ihre Hauptaufgabe sieht die Tauchergruppe darin, Menschenleben zu retten. Da aber, warum auch immer, mit der Alarmierung der Feuerwehr häufig zu lange gewartet wird, kommt es in über 90% der Rettungseinsätze leider nur noch zur Leichenbergung. Gerade diese Aufgabe wirkt sich sehr stark belastend auf die Psyche des Tauchers aus, denn in unseren Gewässern, in denen die Sicht oftmals gerade mal einige Zentimeter beträgt, gilt ganz besonders der Leitsatz: "Die Augen des Tauchers sind seine Hände"! Das bedeutet, dass alles was gesucht wird, zwangsläufig mit den Händen ertastet werden muss. Die psychische Belastung für den Taucher wird noch stärker, wenn es sich bei den vermissten Personen um Kinder handelt. Deshalb bestehen mit der Feuerwehrdienstvorschrift 8 (Tauchen) strenge Vorgaben, die ein Feuerwehrtaucher zu erfüllen hat, bevor er überhaupt in den Einsatz darf. Auch im Bereich der technischen Hilfeleistung bietet die Tauchergruppe eine wertvolle Unterstützung der Einsatzmaßnahmen.

Ein spektakulärer Unfall ereignete sich am 08.09.1990 am Walzweiher. Ein Tankzug, der mit Sojaöl gefüllt war, kam in einer Kurve von der Fahrbahn ab und stürzte in das Gewässer. Erschwerend war, dass der Tankzug beim Umkippen zwei Baumkronen unter sich begrub. Das Sojaöl, das sich leicht erwärmt im Tank befand, stockte bedingt durch das kalte Wasser des Walzweihers sofort und bildete im Einsatzbereich der Taucher eine schleimige, schmierige und undurchsichtige Brühe. Die Aufgabe der Taucher bestand darin, die Anschlagmittel des Bergungsdienstes unter dem Tank und somit zwischen den Ästen der Baumkronen durchzuführen. Es musste immer damit gerechnet werden, dass sich der Taucher während seines nicht gerade einfachen Einsatzes in den Ästen verfängt und so, bedingt durch den zeitlich begrenzten Luftvorrat, selbst in eine Notlage gerät.

Nach einer Stunde war die Aufgabe gelöst und der Tankzug konnte mit zwei 40t-Kranen wieder auf die Fahrbahn gehoben werden. Diese Bergung wäre auch in dieser geringen Wassertiefe von ca. 2m ohne den Einsatz der Taucher nicht oder nur mit größten Schwierigkeiten möglich gewesen.

Abschließend bleibt zu erwähnen, dass bei der Feuerwehr Kaiserslautern, die ausschließlich aus Kollegen der Berufsfeuerwehr gebildete Tauchergruppe fester Bestandteil des Einsatzdienstes ist. Sie wird auf Anforderung auch überörtlich eingesetzt. Das Tauchen wird von den Feuerwehrtauchern der Berufsfeuerwehr freiwillig und zusätzlich zu ihrer normalen Tätigkeit erledigt. Mehrere Übungstauchen; mindestens 10 Tauchgänge im Jahr für Feuerwehrtaucher, bzw. 15 Tauchgänge für Lehrtaucher, finden hauptsächlich in der Freizeit der Taucher statt. Dafür sollten wir den Kollegen, die diese Tätigkeit trotz aller vorher erwähnten Belastungen zusätzlich ausführen, für ihren Idealismus ein hohes Lob zollen.