Geschichte der Jugendfeuerwehr

Autor: Ernst Roth

Die Gründungen von Jugendfeuerwehren lagen in den Jahren von 1865 bis 1932. Die erste nachweisbare Jugendfeuerwehr war die Gymnasialfeuerwehr in Wernigerode im Harz. Das Bestehen dieser Jugendfeuerwehr wird in mehreren Zeitschriften belegt. Sie besteht heute noch. Es ist aber nicht ganz sicher, ob es sich um eine freiwillige Jugendfeuerwehr gehandelt hat.

Schon früh wurden an Gewerbeschulen, Landwirtschaftsschulen, Lehrerseminaren und Gymnasien Lehrgänge im Feuerlöschwesen durchgeführt. Diese Maßnahmen dienten dem vorbeugenden Brandschutz und der Verbesserung des Feuerlöschwesens.

Das Königlich-Bayerische Staatsministerium ordnete in den Jahren 1873 bis 1877 per Erlass in diesen Schulen einen Unterricht im Feuerlöschwesen an. Aus anderen Ländern wurden bisher keine ähnlichen Erlasse gefunden. Die Gründung der Jugendfeuerwehr Oevenum auf der Insel Föhr als freiwillige Gründung im Jahr 1882 ist urkundlich belegt. Sie entstand aus der Not heraus, denn die Männer waren als Fischer oft lange auf dem Meer unterwegs und an eine Löschhilfe vom Festland war natürlich nicht zu denken.

Während des 1. Weltkrieges erinnerte man sich der Jugendlichen und nahm sie als Ersatz für die zum Kriegsdienst eingezogenen Männer in die aktiven Wehren auf. Das Eintrittsalter für die Freiwilligen Feuerwehren wurde während des Krieges auf 16 Jahre herabgesetzt.

Nach dem Krieg bestand kaum mehr Interesse an der Feuerwehr. In der Zeit des 3. Reiches war fast jeder in irgendeiner Organisation eingebunden. Da blieb für die Tätigkeit in einer Freiwilligen Feuerwehr keine Zeit  mehr übrig. Auch wurde die Mitgliedschaft in dieser sinnvollen Einrichtung nicht gerne gesehen, da dort ein "freiheitliches Gedankengut" vorherrschte. Die Jugend war in den verschiedenen Gruppierungen der "Hitlerjugend" organisiert und beschäftigt. Auch durch eine Jugendorganisation der Feuerwehr war an sie nicht heranzukommen.

Erst im Jahr 1936 war man aufgrund fehlenden Nachwuchses bereit, die Beteiligung von HJ-Einheiten am Dienst in den örtlichen Feuerwehren zu erlauben. Im Jahr 1938 wurde der Versuch genehmigt, in den Städten Osnabrück und Celle je 30 Jugendliche der "Hitlerjugend" im Feuerlöschwesen auszubilden. Zu Beginn des Krieges wurden dann überall HJ-Feuerwehren aufgestellt, um damit die Lücken, die durch die Einberufung der Aktiven Freiwilligen Feuerwehrleute zum Wehrdienst entstanden waren, zumindest teilweise zu schließen.

Die Anfänge der "Jugendfeuerwehr"  in Kaiserslautern

Auf diese Weise kamen auch in Kaiserslautern nachweislich Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren zum Einsatz bei der Feuerwehr. So berichtet z. B.  die "Pfälzische Presse" in ihrer Ausgabe vom 23.04.1941 in einem Artikel über die "HJ-Feuerwehr Kaiserslautern beim Exerzieren", dass auch hier die durch die Einberufung der "Väter" zum Kriegseinsatz entstandenen Ausfälle bei der Feuerwehr durch Jugendliche kompensiert werden mußten. Am 19.07.1941 wird im gleichen Blatt eine Übung der Feuerwehr unter Mitwirkung der HJ-Feuerwehr  als ?sehr gelungen? gelobt.

Am 07.10.1941 ist unter anderem folgender Artikel zu lesen, der hier nur auszugsweise wiedergegeben wird:

Am Sonntag führte die Freiwillige Feuerwehr unter Mitwirkung der HJ-Feuerwehr eine großangelegte Einsatzübung durch. Der Vertreter des Abschnittsinspekteurs der Freiwilligen Feuerwehr Dr. Kuchtner (München), Bannführer Arnold, der Referent für die HJ-Feuerwehr im Amte für die freiwillige Feuerwehr, Berlin, Bezirksführer Dönitz und Major Schweighäufer als Vertreter der Ordnungspolizei hatten Gelegenheit, sich vom hohen Ausbildungsstand der Wehr zu überzeugen. Eine HJ-Feuerwehrgruppe zeigte den schulmäßigen Löschangriff. In einer Großeinsatzübung, die für den Zuschauer das Bild einer reibungslosen Zusammenarbeit zwischen der Freiwilligen Feuerwehr und der HJ-Feuerwehr bot, waren zwei HJ-Gruppen eingesetzt.

An Sonntagen verstärkten die Mitglieder der HJ-Feuerwehr die städtische Feuerwache. Wenn nachts die Luftschutzsirenen heulten, eilten sie mit ihren Fahrrädern zur Feuerwache und unterstützten die aktive Wehr nach besten Kräften bei ihren oft gefährlichen Einsätzen. Damit nicht genug. Durch die immer häufiger werdenden Luftangriffe mit ihren verheerenden Folgen, mußten sie auch in anderen Städten aushelfen.

So ist bekannt, daß die HJ-Feuerwehr in den Jahren 1944 und 1945 auch in Saarbrücken, Ludwigshafen und Frankenthal eingesetzt waren. Wie sich jeder unschwer vorstellen kann, gingen diese Einsätze oft über die Kräfte der Jugendlichen hinaus.

Nach Ende des Krieges hat man die Jugendfeuerwehr nicht mehr weitergeführt. Der in kräftezehrenden Einsätzen entstandene Zusammenhalt und die daraus entstandene Kameradschaft waren so stark, daß sich einige Mitglieder der damaligen Lauterer HJ-Feuerwehr auch heute noch treffen, um in gemütlicher Runde über gute und schlechte Zeiten zu sprechen.

Wiederaufleben der Jugendfeuerwehr in Kaiserslautern

Erst in den 60er Jahren wurde im Kaiserslauterer Stadtteil Erfenbach wieder eine Jugendfeuerwehr gegründet, die allerdings aus verschiedenen Gründen (Übernahme in die aktive Freiwillige Feuerwehr, Nachwuchsmangel etc.) nach einigen Jahren wieder eingestellt werden mußte. Zur Zeit verfügt die Feuerwehr Kaiserslautern über vier Jugendfeuerwehrgruppen.

Die beiden Gruppen der  Innenstadt haben 42 Mitglieder; die am 01.04.1998 wieder neu gegründete Gruppe Erfenbach hat 6 Mitglieder. Am 01.09.2007 wurde im Stadtteil Mölschbach eine weitere Gruppe gegründet. Dort haben sich 14 Jungen und Mädchen, die Spass an der Feuerwehr haben, zusammengefunden.

In den Gruppen "erlernen" Jungen und Mädchen im Alter von 10 bis 18 Jahren die "Grundlagen der Feuerwehrtätigkeit" und haben neben Sport und Spiel eine ganze Menge Möglichkeiten, ihr Allgemeinwissen zu erweitern.

Seit Bestehen der Jugendfeuerwehr konnten erfreulicherweise viele Mitglieder in die Züge der Freiwilligen Feuerwehr übernommen werden.