ULF

Fahrzeuggruppe:

Fahrzeuge Außer Dienst

Fahrzeugtyp:

Umweltlöschfahrzeug

Funkrufname:

Florian Kaiser 29/2 (AD)

Standort:

Innenstadt

Baujahr:

2003

 

Beschreibung:

Am Anfang war die Ölspur, jetzt kommt ULF

Feuerwehr und Ölspuren - ein Thema über das schon viel und ausführlich diskutiert wurde: Einerseits ist die Beseitigung von Ölspuren unstrittig die Aufgabe der Straßenbaulastträger, andererseits stellen Ölspuren oft auch Gefahrenstellen im öffentlichen Raum dar und somit ist eine Zuständigkeit der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr gegeben.

Gefahren für die Umwelt durch auslaufende Betriebsstoffe können ebenfalls gegeben sein und dann ist es sicherlich sinnvoll, daß die Feuerwehr schnellstmöglich  tätig wird.

Nach Rheinland-Pfälzischem Recht sollen die Gemeinden die Feuerwehren auch für Aufgaben außerhalb der Gefahrenabwehr einsetzen, soweit dies im Rahmen ihrer Möglichkeiten liegt (LBKG §8). 

Die Belastung der Feuerwehren durch die Beseitigung von Ölspuren hat in den letzten Jahren zugenommen und wird nicht nur für die ehrenamtlichen Kräfte zu einem großen Problem. Die jeweiligen Arbeitgeber bekommen zwar den Ausfall der Mitarbeiter ersetzt, sehen aber nicht ein, daß wegen jeder Ölspur der Arbeitsplatz verlassen wird, vor allem dann, wenn dies mehrmals wöchentlich geschieht. Auch Berufsfeuerwehren sind meist mit anderen Aufgaben ausgelastet und bei größeren Einsatzstellen (längeren Ölspuren) muss nicht selten nachalarmiert werden, was wiederum die eben genannten Folgen hat. 

Hinzu kommt für die Feuerwehren die mangelhafte Ausstattung im technischen Bereich. In der Regel werden heute noch die Ölspuren mit Bindemittel aufgenommen, die hierbei tätigen Feuerwehrleute sind den Gefahren des Straßenverkehrs bei Wind und Wetter, bei Hitze und Kälte, mit dem Besen in der Hand, ausgesetzt. Nur für die Statistik kann diesen Einsätzen noch etwas positives abgewonnen werden.

Der erste Schritt in die richtige Richtung war die Beschaffung von Fahrzeugen zur Straßenreinigung, beispielsweise in Saarbrücken und Mannheim. Mancherorts bestehen Verträge mit Reinigungsunternehmen, wobei allerdings die Frage nach der Reaktionszeit bei bleibt, falls Gefahren für nachfolgende Verkehrsteilnehmer oder für die Umwelt keinen Aufschub dulden.

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, daß sich hinter der Meldung: "auslaufende Betriebsstoffe nach Verkehrsunfall" auch immer wieder mehr als eine einfache Kontamination der Fahrbahn verbergen kann. Fahrzeuge können noch eine Weile nach einem Unfall in Brand geraten und selbst eingeklemmte Personen wurden nach einem solchen Einsatzstichwort schon angetroffen.

Die oben angeführte Problematik hat uns in den vergangenen Jahren beschäftigt und gemeinsam mit der Firma Airmatic aus Hemer glauben wir eine Lösung gefunden zu haben: "ULF"

ULF steht für Umwelt-Löschfahrzeug oder auch für Universal-Löschfahrzeug. Die erste Komponente und Grundlage für alle weiteren Überlegungen war eine Technik zur Beseitigung von Ölspuren nach dem neuesten Stand und gemäß den europäischen Regelungen. Das Fahrzeug sollte (vor allem im Interesse der Feuerwehrangehörigen) keine Kehrmaschine, sondern schon rein optisch ein richtiges Feuerwehrfahrzeug sein.

Für das Fahrgestell fiel die Wahl auf einen 11-tonner MAN. Die Reinigungsaggregate werden angetrieben von einem 85 KVA- Generator. So ergab sich die Möglichkeit, das Fahrzeug auch bei größeren Schadenslagen für die Bereitstellung von elektrischem Strom zu nutzen. Heute kommt dem Katastrophenschutz wieder eine größere Bedeutung zu. Die elektrische Leistung kann insgesamt zentral oder über mehrere unterschiedlich dimensionierte Abgänge entnommen werden.

Der Frischwassertank fasst 2000 Liter, ein Druck von 200 bar steht für die Reinigung der Fahrbahnoberfläche zur Verfügung. Wasser und Hochdruck wurden genutzt, um auch für Löschzwecke zur Verfügung zu stehen. Über zwei Löschlanzen kann das Wasser variabel abgegeben werden. Als positiver Nebeneffekt  wirkt dabei das beigemischte Reinigungsmittel zur Herabsetzung der Oberflächenspannung. Erste Versuche zeigen eine hervorragende Wirkung bei PKW-Bränden. Atemschutzgeräte, Maske und Filter sind für ein Feuerwehrfahrzeug obligatorisch - zwei PA sind im G1 verlastet.

Um die Sicherheit an der Einsatzstelle zu erhöhen wurde das Fahrzeugheck mit einer Verkehrswarneinrichtung versehen, für den Stationären Einsatz werden Warnbaken, Verkehrsleitkegel und Blitzlampen mitgeführt.

Dichtkissen und "Gulli-Eier" runden das Einsatzspektrum ab. Auch ein abgesetzter Betrieb mit einem Handgerät für unzugängliche Stellen ist möglich. Das eigentliche Reinigungsgerät besitzt eine Breite von 1,50 m und ist seitlich über die ganze Fahrzeugbreite verfahrbar. Hochdruck zur Ablösung der Verunreinigungen und die Aufnahme mittels Unterdruck sind unter einer Haube integriert. Eine Streueinrichtung ermöglicht auch das herkömmliche Aufbringen von Bindemittel oder Streusalz im Winter.

Um den Einsatzwert des Fahrzeuges für die technische Hilfe abzurunden, wurde die Beladung um ein akkubetriebenes Spreiz- und  Schneid-Kombigerät ergänzt. Zusätzlich wurde eine Seilwinde mit ca. 20 KN Zugkraft vorne am Fahrzeug angebaut. Abschleppstange, Brecheisen und Kleinwerkzeug runden die Ausstattung ab.

In den vergangenen Wochen hat der ULF der Feuerwehr Kaiserslautern schon wertvolle Dienste geleistet und einige hundert Meter Ölspuren beseitigt. Nach fachkundiger Begutachtung durch unseren Straßenbaulastträger war die Griffigkeit der Fahrbahn hinterher besser als vor der Kontamination.

Für die nächste Zukunft ist geplant unsere neue Errungenschaft, (auf Wunsch), auch den benachbarten Verbandsgemeinden zugute kommen zu lassen. Für die weitere Zukunft sehen wir für die Feuerwehren generell die Möglichkeit mit der finanziellen Unterstützung der Straßenbaulastträger Fahrzeuge dieser Art beschaffen zu können. Mit diesem Beitrag möchten wir die Diskussion, die sicher auch eine politische ist, neu eröffnen.



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Weiterführendes:

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  • Berufsfeuerwehr: Informationen über die Tätigkeiten der Berufsfeuerwehr Kaiserslautern [mehr]
  • Freiwillige Feuerwehr: Informationen und eine Übersicht über die Züge der Freiwilligen Feuerwehr [mehr]